Kinderphysiotherapie nach Vojta

Neurophysiologische Behandlung für Säuglinge, Kinder und Jugendliche. Von zertifizierten Vojta-Therapeutinnen und -Therapeuten in Karlsruhe.

Wenn sich Ihr Kind anders bewegt als erwartet

Ein Kind dreht sich nicht zur Seite, hält den Kopf immer nach links, stützt sich beim Liegen kaum auf oder erreicht Entwicklungsschritte später als erwartet. Für Eltern sind das beunruhigende Beobachtungen, und oft folgt darauf die Überweisung zur Kinderphysiotherapie nach Vojta.

Auf dieser Seite erklären wir, was hinter der Methode steckt, wie eine Behandlung abläuft, welche Rolle Sie als Eltern übernehmen und was die Krankenkasse trägt. Auch die Fragen, die sich viele Eltern stellen und selten offen beantwortet bekommen, sprechen wir an.

Therapeutin führt Kinderphysiotherapie nach Vojta bei Kurasan mit einem Baby auf zum Thema Kinderphysiotherapie nach Vojta​ - Bei in Kurasan

Was ist die Vojta-Therapie?

Die Vojta-Therapie geht auf den tschechischen Kinderneurologen Václav Vojta zurück. Er beobachtete, dass sich bei Kindern durch gezielten Druck auf bestimmte Körperstellen komplette Bewegungsabläufe auslösen lassen, die im zentralen Nervensystem angelegt sind. Diese Beobachtung wurde zur Grundlage eines der bekanntesten Behandlungskonzepte der Kinderphysiotherapie.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Verfahren: Ihr Kind muss nicht bewusst mitarbeiten. Es muss keine Anweisung verstehen und keine Übung nachmachen. Genau deshalb ist die Methode schon bei Säuglingen einsetzbar, oft ab den ersten Lebenswochen.

Was die Behandlung leisten kann ↓

Wie funktioniert das Vojta-Prinzip?

Kern der Methode ist die sogenannte Reflexlokomotion. Der Begriff ist etwas irreführend, denn es handelt sich nicht um einen Reflex im engeren Sinn. Gemeint ist ein hochorganisiertes Bewegungsmuster, das mehrere Muskelgruppen, Gelenke, die Atemmechanik, die Augenbewegung und vegetative Funktionen gleichzeitig einbezieht.

Ihr Kind liegt dabei in einer definierten Ausgangsstellung. Die Therapeutin übt an genau festgelegten Punkten am Körper einen dosierten Druck aus und hält diesen. Das Nervensystem antwortet mit einem vollständigen Bewegungsmuster, ohne dass Ihr Kind es willentlich steuert. Dieses Muster ist von Geburt an angelegt, wird aber bei bestimmten Störungen nicht spontan abgerufen.

 

Die zwei Grundmuster der Behandlung

MusterAusgangsstellungWas angebahnt wird
ReflexkriechenBauchlageStützfunktion der Arme, Aufrichtung des Rumpfes, gekreuztes Bewegungsmuster von Armen und Beinen
ReflexumdrehenRückenlage und SeitlageDrehung vom Rücken auf die Seite, Rumpfstabilität, Vorbereitung auf Krabbeln und Aufstehen

Entscheidend ist nicht das Ergebnis einer einzelnen Behandlung. Entscheidend ist die Wiederholung. Erst wenn das Nervensystem die Muster regelmäßig abruft, verankern sie sich und tauchen in der spontanen Bewegung Ihres Kindes auf. Deshalb ist die häusliche Anwendung kein Zusatz, sondern der Hauptteil der Therapie.

Wann wird die Vojta-Therapie eingesetzt?

Die Methode kommt bei Störungen des zentralen Nervensystems sowie des Halte- und Bewegungsapparates zum Einsatz. Am häufigsten wird sie im ersten Lebensjahr verordnet, weil das Nervensystem in dieser Phase am formbarsten ist.

Im Säuglingsalter

  • Zentrale Koordinationsstörung
  • Asymmetrien in Haltung und Bewegung
  • Kopfschiefhaltung, etwa bei Torticollis
  • Frühgeburt mit erhöhtem neurologischem Risiko
  • Verzögerte oder ausbleibende Entwicklungsschritte
  • Auffälliger Muskeltonus, zu schlaff oder zu angespannt

Im Kindes- und Jugendalter

  • Bewegungsstörungen nach Hirnschädigung, etwa Zerebralparese
  • Periphere Lähmungen an Armen oder Beinen
  • Erkrankungen der Wirbelsäule, unter anderem Skoliose
  • Hüftreifungsstörung und Hüftdysplasie
  • Muskelerkrankungen
  • Folgen von Verletzungen des Nervensystems

Wirkung über die Motorik hinaus

Weil die aktivierten Muster den ganzen Körper einbeziehen, berichten Eltern und Fachleute auch über Veränderungen außerhalb der Bewegung:

  • Tiefere und gleichmäßigere Atmung
  • Bessere Kau- und Schluckfunktion
  • Regulation von Blase und Darm
  • Ruhigeres Verhalten außerhalb der Therapiezeiten

So läuft die Behandlung bei uns ab

Physiotherapeutin führt Kinderphysiotherapie nach Vojta als Hausbesuch durch, Mut zum Thema Kinderphysiotherapie nach Vojta​ - in Hausbesuch

Ihre Rolle als Eltern

Die Vojta-Therapie findet überwiegend zu Hause statt. Üblich sind drei bis vier kurze Einheiten pro Tag, verteilt über den Tag. Eine Einheit dauert nur wenige Minuten. Was zählt, ist die Regelmäßigkeit, nicht die Länge.

Das klingt zunächst nach viel, wird aber für die meisten Familien nach einigen Wochen zur Routine, ähnlich wie Wickeln oder Füttern. Wir planen den Rhythmus gemeinsam mit Ihnen so, dass er in Ihren Alltag passt, und nicht umgekehrt.

Wichtig ist uns: Sie müssen die Griffe nicht perfekt beherrschen, bevor Sie beginnen. Wir korrigieren bei jedem Termin nach, beantworten Zwischenfragen auch telefonisch und passen an, wenn etwas nicht funktioniert. Kein Elternteil geht bei uns mit dem Gefühl nach Hause, allein gelassen worden zu sein.

Weint mein Kind während der Behandlung?

Diese Frage stellen fast alle Eltern, und sie verdient eine ehrliche Antwort statt einer Beschwichtigung.

Manche Säuglinge weinen während der Vojta-Therapie, andere nicht. Beides kommt vor und beides ist normal. Das Weinen ist in aller Regel Ausdruck von Anstrengung und ungewohnter Aktivierung, nicht von Schmerz. Für ein Kind, das noch nicht sprechen kann, ist Weinen die verfügbare Form, eine intensive Erfahrung mitzuteilen.

Trotzdem: Für Eltern ist es belastend, mehrmals täglich etwas zu tun, das das eigene Kind sichtbar anstrengt. Wir nehmen diese Belastung ernst und lassen Sie damit nicht allein. Wenn Sie unsicher sind, sagen Sie es uns. Wir schauen dann gemeinsam auf die Dosierung, die Tageszeiten und die Griffe.

Und wenn sich zeigt, dass dieser Weg für Ihre Familie nicht tragfähig ist, sprechen wir das aus. Es gibt andere Konzepte in der Kinderphysiotherapie, etwa die Behandlung nach Bobath, die stärker über Alltagshandlungen und spielerische Anreize arbeitet. Welcher Weg der bessere ist, entscheidet sich am Kind und an der Familie, nicht an der Methode.

Verordnung, Dauer und Kosten

Die Behandlung ist verordnungspflichtig. Sie wird über den Heilmittelkatalog als Krankengymnastik zur Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems abgerechnet.

PunktDas gilt
Heilmittel auf dem RezeptKG-ZNS-Kinder, mit Hinweis auf das Vojta-Konzept
DiagnosegruppeZN2, ZNS-Erkrankungen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr
Dauer einer EinheitRegelbehandlungszeit 30 bis 45 Minuten, Vor- und Nachbereitung eingeschlossen
ZuzahlungFür Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren keine
Bei dauerhaftem BedarfLangfristiger Heilmittelbedarf nach § 32 Abs. 1a SGB V möglich

Wie lange die Therapie insgesamt läuft, lässt sich am Anfang nicht seriös vorhersagen. Bei einer leichten Asymmetrie im Säuglingsalter sind es manchmal wenige Monate. Bei einer Zerebralparese begleiten wir Kinder über Jahre. Was wir Ihnen zusagen können: Wir überprüfen den Verlauf regelmäßig und behandeln nicht länger, als es sinnvoll ist.

Reicht die Verordnung nicht aus, kann Ihre Ärztin weiter verordnen, ohne dass die Krankenkasse das genehmigen muss. Bei schweren und dauerhaften Erkrankungen kommt zusätzlich der langfristige Heilmittelbedarf in Betracht, dann entfällt die wiederholte Antragstellung.

Warum Familien aus der Region zu uns kommen

Häufige Fragen von Eltern

Ab welchem Alter ist die Vojta-Therapie möglich?

Grundsätzlich ab den ersten Lebenswochen. Weil das Kind nicht bewusst mitarbeiten muss, gibt es nach unten kaum eine Altersgrenze. Je früher eine Störung erkannt wird, desto besser lässt sich die Entwicklung beeinflussen, weil das Nervensystem im ersten Lebensjahr besonders formbar ist.


Was ist der Unterschied zwischen Vojta und Bobath?

Beide sind neurophysiologische Konzepte, sie setzen aber unterschiedlich an. Vojta aktiviert über definierte Druckpunkte angeborene Bewegungsmuster, ohne dass das Kind mitmachen muss. Bobath arbeitet über Alltagshandlungen und begleitete Bewegung, das Kind ist aktiv beteiligt. Häufig werden beide Konzepte im Verlauf kombiniert oder es wird von einem zum anderen gewechselt.


Wie oft muss ich zu Hause üben?

Üblich sind drei bis vier kurze Einheiten am Tag. Jede dauert nur wenige Minuten. Die Regelmäßigkeit ist wichtiger als die Länge der einzelnen Einheit, weil sich Bewegungsmuster nur durch Wiederholung verankern.


Woran erkenne ich, dass die Therapie wirkt?

Nicht an der einzelnen Behandlung, sondern an der spontanen Bewegung Ihres Kindes im Alltag. Dreht es sich plötzlich auch über die andere Seite? Stützt es sich gleichmäßig auf beide Arme? Hält es den Kopf mittig? Solche Beobachtungen sind aussagekräftiger als das, was während der Therapie sichtbar wird. Wir halten die Ausgangswerte fest, damit der Vergleich möglich ist.


Wie lange dauert die Therapie insgesamt?

Das hängt vollständig von der Diagnose ab. Bei einer leichten Asymmetrie können wenige Monate genügen. Bei einer Zerebralparese ist die Behandlung Teil einer langfristigen Begleitung. Seriöse Prognosen zum Startzeitpunkt gibt es nicht, wohl aber regelmäßige Überprüfungen.


Kann ich die Übungen falsch machen?

Falsch ausgeführte Griffe wirken meist einfach nicht, statt zu schaden. Trotzdem korrigieren wir bei jedem Termin nach, weil die Genauigkeit über die Wirkung entscheidet. Bei Unsicherheit rufen Sie uns lieber an, als wochenlang etwas zu wiederholen, das nicht sitzt.


Übernimmt die Krankenkasse die Behandlung?

Ja, bei entsprechender ärztlicher Verordnung. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren fällt keine Zuzahlung an. Privatversicherte rechnen wir nach Gebührenverzeichnis ab.


Können Sie auch zu uns nach Hause kommen?

Wenn die Ärztin einen Hausbesuch auf der Verordnung vermerkt, ja. Mehr dazu finden Sie auf unserer Seite zu Hausbesuchen.

Unsicher, ob Vojta das Richtige für Ihr Kind ist?

Rufen Sie uns an. Wir sagen Ihnen, was wir aus Ihrer Schilderung heraus einschätzen können, wie schnell ein Termin möglich ist und was Sie zum ersten Besuch mitbringen sollten. Wenn eine andere Behandlungsform besser passt, sagen wir Ihnen das ebenfalls.